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Der lange Weg zum legalen Waffenbesitz als Sportschütze

 

Wenn du auf unserer Webseite gelandet bist, interessiert du dich für den Schießsport oder hast vielleicht selber schon mal geschossen, egal ob mit einem Luftgewehr, Kleinkaliber oder Großkaliber. Jedenfalls hat dich der Virus des Schießsports infiziert. Du interessiert dich für diese faszinierende Hobby und würdest gern selber Sportschütze werden?

In diesem Beitrag will ich dir den Weg dahin mal aufzeigen. Er ist nicht einfach und mit vielen Hürden versehen, jedoch lohnt er sich. 

 

Mit dem Eintritt als Mitglied in einem Schießsportverein fängt alles an. Jedoch ist es nicht so, dass ich damit auch sofort die Erlaubnis habe, beliebig viele Waffen zu kaufen und diese zu Hause aufzubewahren. Der Erwerb und der legale Besitz von Waffen ist in Deutschland streng reguliert und wird über das Waffenrecht und die Waffenverwaltungsvorschrift geregelt. 

 

Jetzt beginnt erst mal eine Art gesetzlich vorgeschriebene Probezeit von 12 Monaten, in der ich regelmäßig als Sportschütze trainieren muss. Regelmäßig heißt aus waffenrechtlicher Sicht, dass ich mindestens 12 mal im Jahr regelmäßig z.B. jeden Monat einmal, oder 18 mal im Jahr unregelmäßig zum Training gehe und dies auch dokumentiere! 

Zur Dokumentation hat sich das Schießbuch bewährt, welches du als Sportschütze von Anfang an führen solltest. Darin wird vermerkt: Wann, Wo, und welche Disziplin mit welchen Kaliber und Waffe trainiert wurde. Als Bestätigung über das erfolgte Training quittiert der Schießleiter der das Training überwacht, mit seinem Stempel und seiner Unterschrift, den Eintrag im Schießbuch.

 

Mit diesem regelmäßigem Training zeige ich, dass ich das Bedürfnis habe eine Schusswaffe zu erwerben. Und damit sind wir schon bei dem ersten wichtigen Begriff; das Bedürfnis. Dabei handelt es sich aus waffenrechtlicher Sicht um den Nachweis des Sportschützen gegenüber der Erlaubnisbehörde, dass er die beantrage Waffe und Munition zur Ausübung seines Sports benötigt, also ein Bedürfnis für eine Waffe hat. 

 

Es reicht jedoch nicht, dieses Bedürfnis einmal nachzuweisen. Entfällt das Bedürfnis, entfällt auch die erteilte waffenrechtliche Erlaubnis zum Besitz der Waffe und Munition. Bis zu einem Zeitraum von 10 Jahren nach der erstmaligen waffenrechtlichen Erlaubnis kann die Erlaubnisbehörde dieses Bedürfnis kontrollieren. Nach den 10 Jahren reicht die Mitgliedschaft in einem Schießsportverein als Nachweiß.

 

Mit dem Eintritt in einen Schießsportverein findet gleichzeitig die Anmeldung bei einem Schießsportverband, in unserem Fall ist das der BDS (Bund Deutscher Sportschützen), statt. Der Verband stellt die nach dem Waffengesetz genehmigten Schießsport-Disziplinen auf, welche ich trainieren kann und an entsprechenden Wettkämpfen teilnehmen darf. Er hat jedoch noch weitreichendere Aufgaben. So stellt er die Sportordnung auf, versichert die Mitglieder und steht bei Fragen zum Sport zur Verfügung. Möchtest du mehr über die Tätigkeiten des Verbands wissen, schau mal auf deren Webseite nach. Dort gibt es ausreichende Informationen. 

 

Doch zurück zu deinem Weg als Sportschütze. Hier gilt es die nächste Hürde zu nehmen.

Innerhalb des ersten Jahres muss der Schütze eine staatlich anerkannte Waffensachkundeprüfung ablegen. Der Umfang und Inhalt der Sachkundeprüfung wird in §1 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) geregelt. Hier soll der Schütze nachweisen, dass er ausreichende Kenntnisse im sicheren Umgang mit Waffen und Munition erworben hat, sich über die zu beachtenden Rechtsvorschriften des Waffenrechts, Beschußrechts, sowie der Notwehr und des Notstands erworben hat. Die Prüfung besteht aus einem theoretischen, sowie einem praktischen Teil. Ich empfehle dir,  diese Sachkundeprüfung zügig anzugehen, denn das dort erlernte hilft dir bei deinem Training mit einer Schußwaffe zudem stellt es einen enormen Sicherheitsgewinn dar. Wenn ich weiß wie ich sicher eine Schusswaffe handhabe und mir über die Wirkung des abgegebenen Schusses im klaren bin, gehe ich bedachter mit diesem Sportgerät um! Sicherheit ist das oberste Gebot bei dem Umgang mit einer Schusswaffe. 

 

Damit haben wir den zweiten wichtigen Begriff auf dem Weg zum Waffenbesitzer kennen gelernt, ich muss sachkundig sein.

 

Nachdem ich fleißig 12 Monate trainiert habe, kann ich jetzt meine WBK - Waffenbesitzkarte als Sportschütze beantragen. Und weil ich so fleißig war, darf ich sogar zwei Karten beantragen. Warum denn jetzt auf einmal zwei? 

 

Für uns Sportschützen gibt es zwei Arten von Waffenbesitzkarten, einmal die farblich grün gehaltene und die gelbe WBK. Auf die grüne WBK kann ich mehrschüssige Pistolen und Revolver, halbautomatische Langwaffen, sogenannte Selbstlader und Repetierflinten beantragen. Bei der erstmaligen Beantragung gebe ich die Art und das Kaliber der Waffe welche ich mir zulegen will in der Verbandsbescheinigung mit an und nicht vergessen, die Munitionserwerbserlaubnis sollte gleich mit beantragt werden. Eine Waffe ohne die Möglichkeit Munition zu kaufen macht keinen Sinn. 

 

Wer jedoch unter 25 Jahren ist und eine Kurzwaffe (Revolver/Pistole) in einem Kaliber größer als .22lfB (Kleinkaliber) bzw. eine Einzellader-Flinte im Kaliber größer 12 oder kleiner erwerben möchte, der muss ein Gutachten über seine geistige Eignung vorlegen! Diese Einschränkung ist der nächste Begriff den wir kennen lernen und steht im Waffengesetz als „persönliche Eignung“ nach §6 WaffGe.

 

Entspricht die Erlaubnisbehörde meinem Antrag, erhalte ich einen sogenannten Voreintrag in meine grüne WBK, der mir erlaubt, die beantragte Waffe innerhalb eines Jahres zu Erwerben. Damit kann ich zum Beispiel in ein Waffengeschäft gehen, die WBK vorlegen und mir eine entsprechende Waffe kaufen. Der Händler trägt die Waffe in die WBK ein, bei einem kauf Privatkauf macht das die Erlaubnisbehörde. In beiden Fällen ist die WBK bei der zuständigen Behörde innerhalb von 14 Tagen vorzulegen! Diese löscht den Voreintrag und trägt die Daten der erworbenen Waffe ein. 

 

Bestimmte Schusswaffen unterliegen erleichterten Bestimmungen für den Erwerb. Daher hat der Gesetzgeber die gelbe WBK eingeführt. Sie erlaubt es dem Sportschützen, einläufige Einzellader Kurzwaffen für Patronenmunition, mehrschüssige Kurz- und Langwaffen mit Perkusionszündung, Einzellader-Langwaffen mit gezogenen oder glatten Läufen, sowie Repetier-Langwaffen mit glatten oder gezogenen Läufen und der zu der Waffe passenden Munition unbefristet und ohne Voreintrag zu erwerben. Auch hier gilt, dass die WBK der zuständigen Behörde innerhalb von 14 Tagen nach Erwerb vorzulegen ist!

 

Wird eine weitere Waffe beantragt, wiederholt sich der Vorgang selbstverständlich. Zudem gibt es noch die Einschränkung, dass pro halbem Jahr nur zwei Waffen erworben werden können (Erwebsstreckungsverbot).

 

 

Doch bevor ich diesen Vorgang  angehe, muss ich mir von meinen Verband, also in unserem Fall dem BDS, bestätigen lassen, das ich seit mindestens 12 Monaten regelmäßig nach der gültigen Sportordnung des BDS mit erlaubnispflichtigen Schusswaffen, welche für die entsprechende Disziplin geeignet ist, als Sportschütze dem Schießsport nachgegangen bin. 

Dazu fülle ich das BDS Formular „Antrag auf Ausstellung einer Verbandsbescheinigung durch den BDS“ aus und lasse es mir von meinem Vereinsvorstand bestätigen. Dieses Dokument sende ich mit einer Kopie meines Schießbuchs über den Zeitraum von 12/18 Traningsterminen sowie dem Nachweiß der bestandenen Sachkunde und aktuell 15€ Bearbeitungsgebühr beim BDS ein. Hört sich kompliziert an, doch keine Sorge, wir helfen Dir beim ausfüllen der Dokumente. 

 

Die ehrenamtlichen Mitarbeiter beim BDS sind sehr schnell, liegen alle erforderlichen Dokument vor, hast du nach ca. einer Woche Post von ihnen im Briefkasten. Du erhältst die Verbandsbescheinigung zur Vorlage bei deiner Erlaubnisbehörde. Für uns ist das die Kreispolizeibehörde in Olpe. 

 

Zusätzlich zur Verbandsbescheinigung muss ich das Formular „Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis nach dem Waffengesetz“ ausfüllen, und zwar für jede WBK separat. Dazu muss ich direkt Nachweisen, dass ich die beantragten Waffen auch sicher und vorschriftsmäßig aufbewahren kann. 

 

Wer Waffen oder Munition besitzt, hat die erforderlichen Vorkehrungen zu treffen, um zu verhindern, dass diese Gegenstände abhanden kommen oder Dritte sie unbefugt an sich nehmen können. Dieser allgemeine Grundsatz ist in § 36 Abs. 1 des Waffengesetzes (WaffG) geregelt. Im Einzelnen gilt nach § 36 WaffG in Verbindung mit den §§ 13 und 14 der Allgemeinen Waffengesetz-Verordnung (AWaffV) folgende Anforderung:

 

In einem Sicherheitsbehältnis des Widerstandsgrad 0, wenn das Behältnis leichter als 200kg ist, kann ich bis zu 5 Kurzwaffen und eine unbegrenzte Anzahl von Langwaffen mit Munition zusammen aufbewahren. 

Wiegt das Behältnis mehr als 200kg oder ist der Tresor entsprechend verankert, kann ich dort bis zu 10 Kurzwaffen, sowie eine unbegrenzte Anzahl von Langwaffen und Munition aufbewahren. 

 

In einem Behältnis des Widerstandsgrad 1, darf ich eine unbegrenzte Anzahl von Kurzwaffen, Langwaffen und Munition aufbewahren. Alle Angaben beziehen sich auf eine Aufstellung des Waffenschrank in einem bewohnten Gebäude. Für ein unbewohntes Gebäude gibt es andere Vorschriften, welche wir aber hier außen vor lassen. 

 

Für einen Sportschützen reicht ein Waffenschrank des Widerstandsgrad 0 eigentlich aus, wenn ich drei wichtige Regeln noch beachte. Der Schrank sollte ein Zahlenkombinationsschloss besitzen, egal ob elektronisch oder mechanisch. Damit entfällt das Problem der sicheren Aufbewahrung des Schlüssels. Denn auch hier gilt der Grundsatz, dass ich erforderliche Vorkehrungen zu treffen habe um zu verhindern, dass dieser Schlüssel abhanden kommt, oder Dritte ihn unbefugt an sich nehmen können! Und wer will schon überall mit einem Schlüssel um den Hals herumlaufen?

 

Zweite Regeln, wer zu klein kauft, kauft zweimal. Bei einem ambitionierten Sportschützen bleibt es nicht nur bei einer Waffe. Schnell stellen wir fest, dass wir unterschiedliche Kaliber und Visierungen für die verschiedenen Disziplinen benötigen. Es gibt nichts ärgerlicheres, als wenn ich schon nach kurzer Zeit feststelle, dass mein Waffentresor zu klein ist. Passiert das doch, kann ich mir einen entsprechenden Munitionsschrank kaufen, um Platz zu schaffen. Gemäß § 13 Abs. 2 Nr. 2 der AWaffV ist erlaubnispflichtige Munition mindestens in einem Stahlblechbehältnis ohne Klassifizierung mit Schwenkriegelschloss oder einer gleichwertigen Verschlussvorrichtung oder gleichwertigem Behältnis zu verwahren. 

 

Die dritte Regel betrifft die Innenhöhe des Schrankes. Ältere sowie moderne Karabiner haben oft Gesamtlängen von über 130cm. Viele Waffentrsore haben jedoch nur eine maximale Stellhöhe von 120cm. Ein quer im Schrank liegender Karabiner stört erheblich, wenn auch noch andere Langwaffen eingestellt werden müssen.

 

Damit haben wir auch den Begriff der „sicheren Aufbewahrung“ kennen gelernt. 

 

Der Erlaubnisbehörde weise ich die sichere Aufbewahrung durch eine Kopie der Rechnung des Waffentresor, sowie Fotos vom Aufstellungsort des Waffentresor nach. Das alles zusammen sende ich mit der Verbandsbescheinigung und dem Antrag/den Anträgen auf Erteilung einer Erlaubnis nach dem Waffengesetz zu. 

 

Mit dem Eingang bei der Erlaubnisbehörde setzt diese eine Abfrage beim  Bundeszentralregister (großes Führungszeugnis, kurz: BZR), staatsanwaltlichen Verfahrensregister (laufende Verfahren, kurz: ZStV) sowie der örtlichen Polizeidienststelle in Gang. Nicht zu vergessen ist die Abfrage bei der  Verfassungsschutzbehörde. 

Dabei geht es um deine persönliche Zuverlässigkeit, womit wir den nächsten wichtigen Begriff kennen lernen, die Zuverlässigkeit. Sollte die erforderliche Zuverlässigkeit angezweifelt werden, wird ein amts-, fachärztliches oder fachpsychologisches Zeugnis verlangt, welches du auf deine eigenen Kosten erstellen lassen musst.

 

Wenn alle diese Stellen eine positive Auskunft geben, steht Deiner WBK nichts mehr im Weg. Jedoch kann diese Abfrage bei den verschiedenen Behörden schon mal mehrere Monate Zeit in Anspruch nehmen. 

 

Wird deinem „Antrag auf Erteilung einer Erlaubnis nach dem Waffengesetz“ entsprochen, erhältst du deine WBK mit dem entsprechenden Voreintrag und natürlich den Gebührenbescheid von deiner Erlaubnisbehörde.

 

Kurzform deines Werdegangs zum Legalwaffenbesitzer:

 

  • Mitglied in einem Schießsportverein
  • Mitglied in einem Schießsportverband
  • regelmäßiges Training innerhalb von 12 Monaten mit Dokumentation
  • Sachkundelehrgang
  • Bedürfnis 
  • persönliche Eignung
  • persönliche Zuverlässigkeit
  • Nachweis der sicheren Aufbewahrung

 

Nicht zu unterschätzen sind die einmaligen und laufenden Kosten. Der Sachkundelehrgang liegt so zwischen 200-300€, ein Tresor in der oben beschrieben Größe kostet mit elektronischem Schloss ca. 1.800€. Als Ausrüstung unbedingt erforderlich ist ein Gehörschutz und eine Schutzbrille, wenn ich nicht sowieso Brillenträger bin. Als Gehörschutz sollte direkt ein elektronischer gekauft werden. Dieser  hat den Vorteil, dass der Schussknall unterdrückt wird, aber Kommandos der Aufsicht und normale Gespräche möglich sind. Preislich liegt der elektronische Gehörschutz im Bereich von 200-300€, auch hier gilt der Grundsatz, wer billig kauft, kauft zweimal!

 

Die Gebühren für die waffenrechtliche Erlaubnis können sich auch schnell in einer Höhe von 100-300€ bewegen. 

 

So kommen schnell zweieinhalb bis drei Tausend Euro an einmaligen Kosten zusammen, bevor ich die erste Waffe kaufen darf. Unter den laufenden Kosten fällt der Jahresbeitrag im Verein, der aktuell beim SSV Borghausen E.V. 240€ beträgt. Die kosten für die Munition hängt sehr stark von dem Kaliber ab, welches ich benutze. So ist die Packung Kleinkalibermunition in .22lr für ca. 6€ zu erwerben, wogegen die Packung 9X19 Luger fast das Dreifache kostet. Im Bereich der Gewehrmunition wird es noch teurer. Zurzeit steigen die Preise für Munition erheblich, dazu gibt es Lieferengpässe. Noch nicht berücksichtigt wurden bisher die Fahrtkosten zum Schießstand und eventuelle Wettkämpfe, inklusive Startgebühr, die ich noch einrechnen muss.  

 

Auch wenn sich das Ganze nach einem komplizierten und langen Weg anhört, fängt er mit dem ersten Schritt an. Vereinbare ein Probetraining bei uns, und wenn dir das zusagt, werde Mitglied im Verein. Hier stehen dir erfahrene Mitglieder zur Verfügung, die dich auf deinem Weg als Sportschütze begleiten und dir helfen. 

 

 

 

ssv.borghausen@web.de